Laut, schrill und schräg

Guggenmusik

Sie heißen Giggalesbronzer, Röfischrenzer, Bazzaschüttler oder einfach Los Kravallos. Einmal im Jahr steht Schwäbisch Gmünd zwei Tage lang im Zeichen der Guggenmusik. Guggen – das sind Blechbläser-Kapellen, die fester Bestandteil der alemannischen Fasnet sind und Musik produzieren, die schräg sein muss, schrill, vor allem laut und direkt auf Magen und Beine zielt.

Schwäbisch Gmünd ist die Hauptstadt der Schrägtonmusik. Guggenkapellen mit über 800 Musikerinnen und Musikern aus der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein und Deutschland kommen alljährlich in die älteste Stauferstadt, die nicht ohne Grund auch das Mekka der Guggenmusik genannt wird. Jahr für Jahr lockt das Spektakel Zehntausende Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland in die historische Altstadt von Gmünd. Die Plätze und Gassen, vor allem aber auch die Lokale der Innenstadt bilden den Rahmen für ein Ereignis, das aus dem Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenken ist.

Ihren Ursprung hat die Musik im Brauch, die Wintergeister mit dem Blasen von Kuhhörnern auszutreiben. Erstmals erwähnt wurde dieser Brauch im 16. Jahrhundert, als man während des Karnevals mit Rasseln, Blecheimern, Trommeln, Kuhglocken oder Pfeifen umherzog. Damals schon wurden Masken und Kostüme verwendet: Tücher und alte Lumpen sowie eine Menge Fantasie dienten dazu, sich zu verkleiden und die Geister zu verschrecken.

Heute gibt es viele unterschiedliche Arten von Guggenmusik. Oft werden Volks- und Kinderlieder, aber auch bekannte Popsongs gespielt und selbst der Einfluss des brasilianischen Karnevals mit seinen Samba-Rhythmen ist oft zu hören. Und deshalb kann sich auch niemand, ob alt oder jung, musikalisch oder nicht, ohne lebhafte Bewegung der eigenen Gliedmaßen dem Festival der schrägen Töne entziehen.